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Labormedizinische Grundbegriffe
Glossar zu den Begriffen in der Labormedizin.

Laborwerte können nur richtig verstanden werden, wenn man die Aufgabe eines bestimmten Stoffes im Körper kennt.
Für dieses Verständnis haben wir eine Übersicht zu den wichtigsten Begriffen zusammengestellt, die sowohl einen Einblick in die Vorgänge innerhalb des Körpers als auch den Zusammenhang zu den labortechnischen Untersuchungen vermittelt.

Antigene / Antikörper
Das menschliche Immunsystem kann zwischen körpereigenen und körperfremden Stoffen deutlich unterscheiden.
Antikörper bekämpfen als körpereigene Abwehrstoffe körperfremde Stoffe (Antigene). Ein Antikörper kann jeweils nur gegen eine einzige Art von Antigenen wirken. Gegen dieses Antigen baut der Körper eine Immunität auf, durch die es bei erneutem Auftreten schnell und wirkungsvoll bekämpft werden kann.
Bei Impfungen werden Antikörper gespritzt oder es wird deren Bildung angeregt (s. Impftiter).

Im Labor:

  • Nachweis von Antigenen im Blutserum

  • Bestimmung der Art der Antikörper (s. Immunglobuline)

  • Nachahmung der normalerweise stattfindenden Reaktion zwischen Antigen und Antikörper im Reagenzglas

  • Suche nach Antigenen und Antikörpern durch jeweiligen Zusatz bekannter Antikörper bzw. Antigene zum Serum und entsprechende Nachweisreaktionen

Bakterien
Natürliche Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen.
Ihr Vorkommen auf der Haut und den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts ist, beispielsweise bei der Verdauung, von großer Bedeutung. Gleichzeitig dienen sie der Erhaltung der natürlichen ``Standortflora''.
Ansonsten stellen Bakterien im Körper Antigene dar, gegen die Antikörper (Entzündungen) gebildet werden. Einige Arten, z.B. Tetanus- und Diphtherie-Erreger, bilden extrem giftige Substanzen (Toxine) und sind unmittelbare Auslöser schwerer Krankheiten.
Einige Toxine werden jedoch auch therapeutisch eingesetzt.

Im Labor:
  • Direkt unter dem Mikroskop erkennbar oder durch Färbung sichtbar werdend
  • Für die Zuordnung zu bestimmten Gruppen ``Brüten'' auf spezifischen Nährböden notwendig
  • Erkennen einer Infektion mit bestimmten Bakterien indirekt über den Nachweis von Antikörpern möglich
Blutfette / Fettstoffwechsel
Fette (Lipide) sind schlecht wasserlösliche, organische Verbindungen, die im Blut an Eiweiße gebunden sind und im Körper ``normalerweise'' als Energievorrat gespeichert werden.
Die wichtigsten Fette im Blut sind: Cholesterin (s. Cholesterinspiegel, erhöhter), Triglyceride (Neutralfette) und Fettsäuren; HDL- und LDL-Cholesterin sind die häufigsten Eiweiß-Fett-Verbindungen.
Nahrungsfette müssen bei der Verdauung durch das Enzym Lipase zunächst in kleinste Einheiten gespalten werden, bevor sie vom Körper aufgenommen werden können (deshalb sind fetthaltige Mahlzeiten besonders schwer verdaulich). Aus Eiweiß und Fett entstehen in der Darmwand immense Transportformen, die über die Lymphgefäße ins Blut transportiert werden. Dabei erfolgt auf dem Weg zur Leber deren Abbau und Weiterverarbeitung wiederum durch Enzyme.
Krankhafte Blutfette sind ursächlich für schwere Folgeerkrankungen (Hyperlipidaemie - s. Cholesterinspiegel, erhöhter) verantwortlich.

Im Labor:
  • Messung von Fetten anhand klinisch-chemischer Reaktionen, bei denen Farbveränderungen in der gemessenen Flüssigkeit die Menge des gesuchten Stoffes anzeigen (auch mit Hilfe von Teststreifen möglich)
Eiweiße / Eiweißstoffwechsel
Eiweiße (Proteine) werden größtenteils in der Leber gebildet und gehören zu den wichtigsten Bestandteilen des Organismus. Das Blutplasma enthält zahllose verschiedene Eiweiße, deren Bedeutung noch nicht vollständig geklärt ist.
Alle Antikörper, Enzyme und Gerinnungsfaktoren sind Eiweiße. Neben dem Hauptvertreter Albumin stellen die Globuline, die das Stützgewebe des Körpers bilden, als Energielieferanten in Hungerphasen gelten und Stoffe im Blut transportieren, die zweite Hauptgruppe dar. Sie sorgen als große Moleküle, die Flüssigkeit an sich binden können, für ein Flüssigkeitsgleichgewicht zwischen Blut und Gewebe.
Gehen durch Krankheiten Eiweiße aus der Blutbahn verloren, entstehen Ödeme, da die Flüssigkeit in die Umgebung der Gefäße austritt.
Krankhafte Störungen des Eiweißstoffwechsels sind z.B. Lebererkrankungen (Leberzirrhose).

Im Labor:
  • Nachweis von Eiweißen durch Farbveränderungen bei bestimmten chemischen Reaktionen
  • Veränderung des normalerweise konstanten Verhältnisses der einzelnen Eiweiße untereinander bei vielen Krankheiten
  • Bestimmung einzelner Eiweiße mit speziellen Antigen-Antikörper-Reaktionen
 
Elektrolyte / Wasserhaushalt
Elektrolyte sind Verbindungen, die in wässriger Lösung in geladene Teilchen (Ionen) zerfallen. Noch heute ähnelt das Blutwasser (Serum) der Zusammensetzung des Meerwassers, dem wir einmal entstiegen sind.
Auf den dabei ablaufenden Vorgängen basiert ein Teil der Lebensgrundlage. Die fortwährend stattfindenden Zerfalls- und Aufbauprozesse von Verbindungen benötigt der Körper, damit Stoffe aus der Nahrung bzw. der Luft aufgenommen und für verschiedene Stoffwechselvorgänge verwendet werden können.
Für den Austausch von Informationen durch den Ionen-Strom-Fluss baut der Körper an wichtigen Stellen ein elektrisches Ungleichgewicht auf.
Die wichtigsten Elektrolyte sind Natrium, Kalzium, Magnesium, Phosphat und Chlorid in enger Kombination mit Wasser.
Krankhafte Störungen des Elektrolythaushaltes reichen von harmlosen Wadenkrämpfen bis zu Bewusstseinsverlust.

Im Labor:
  • Jedes Elektrolyt an charakteristischen Farben erkennbar, wenn verdünntes Serum in eine Flamme gesprüht wird
  • Bestimmung auch durch klinisch-chemische Farbreaktionen oder Atomabsorbtion
Enzyme
Enzyme beschleunigen als sog. Biokatalysatoren die chemischen Reaktionen im Körper. Ein Enzym kann jeweils nur die Reaktion des zu ihm passenden Stoffes auslösen. Unterschieden werden Gewebsenzyme, die sich immer im Inneren der Zelle befinden und nur in das Blut übertreten, wenn die Zelle zerstört wird, und Sekretenzyme, die von den Drüsen aktiv abgegeben werden, um z.B. im Darm Stärke aus Kartoffeln oder Getreide zu Zucker abzubauen.
Einige Krankheiten entstehen durch den Ausfall von Enzymen bzw. durch deren Nichtvorhandensein aufgrund von Erbfehlern. Krankhafte Störungen reichen vom Blähbauch bis zu schweren erblichen Enzymdefekten.
Zahlreiche Enzyme werden ohne sofortige Wirkung in die Blutbahn abgegeben (Proenzyme) und werden erst, wenn es nötig ist, in ein Enzym umgewandelt.

Im Labor:
  • Für Nachweis Nutzung der Eigenschaft, dass ein Enzym nur einem bestimmten Stoff die Reaktion ermöglichen kann (Farbreaktionen verdeutlichen Aktivität des Enzyms auf dem jeweiligen Substrat)
 
Gerinnung (Koagulation)
Der Vorgang der Blutgerinnung geschieht in einem komplizierten, festgelegten Ablauf und schützt den Körper hauptsächlich vor dem Verbluten. Ein durch eine Verletzung eintretender Defekt wird mit einem Blutpfropf verschlossen, indem sich die Blutgefäße an der Verletzung zusammenziehen, die Blutplättchen sich an das Collagen der Haut anheften und gleichzeitig die Gerinnungsfaktoren (Eiweiße und Globuline) aktiviert werden.
Die Gerinnung wird ebenso bei Vorgängen in der Blutbahn, wie z.B. bei Verletzungen der Gefäßwände, langsamem Blutfluss oder zu wenig Flüssigkeit in den Gefäßen aktiviert.
Gerinnungshemmende Stoffe sorgen dadurch, dass sie Pfropfbildungen (Gerinnsel) laufend auflösen, wiederum dafür, dass die Gerinnung nicht unkontrolliert abläuft.
Krankhafte Störungen reichen von (harmlosen) Blutergüssen bis zur schweren Bluter-Erkrankung (Haemopholie).
Hinweis: Antikoagulation bei Herzoparationen, nach Klappenersatz oder tiefen Thrombosen sowie bei Herzrhythmusstörungen.

Im Labor:
  • Aktivierung der Gerinnung im Reagenzglas durch spezielle Plastikkügelchen
  • Messung von Fibrinogen, PTT, PTZ, Quick, bei besonderen Fragen auch AT III
  • Nach Blutentnahme beim Arzt Hemmung der Gerinnung notwendig, wenn Gerinnungsvorgang selbst getestet werden soll - erneute Aktivierung im Labor
Gewebe und Zellen
Zellen bilden die Grundbausteine des Gewebes. Sie besitzen jeweils besondere Aufgaben, z.B. bei der Bildung der Haut, des Blutes, der Nerven und Organe.
Die Beurteilung von Veränderungen der Gewebezellen (gut- bzw. bösartig) in Größe, Zusammenstellung und Häufigkeit erfolgt mit Hilfe von Gewebeproben oder abgestoßenen Zellen. Mit besonderen Nachweismethoden können ebenso Ablagerungen, wie z.B. von Eiweißstoffen, Eisen, Kupfer, erkannt werden.
Krankhafte Störungen: Zellveränderungen können harmlos (z.B. bei Warzen) oder hochgefährlich sein (``schwarzer Hautkrebs'' = Melanom).

Im Labor:
  • Mikroskopische Untersuchung eingefärbter, gefrosteter bzw. in Paraffin gegossener und in feinste Scheiben geschnittener Gewebeproben
Hormone
Hormone werden über die Blutbahn transportiert und regeln als chemische Botensubstanzen bereits in winzigen Mengen wichtige Stoffwechselvorgänge im Körper. Unterschieden werden:
  • Eiweiß-Hormone, die von Einzelzellen oder Geweben gebildet werden und sich an sog. Hormonrezeptoren auf die Zelloberflächen heften, um anderen Zellen oder Organen Informationen zu vermitteln
  • Steroide, die durch einen bestimmten Molekülaufbau charakterisiert sind, sich an die Rezeptoren im Zellinnern binden und im Zellkern wirken.
Krankhafte Störungen der Hormone finden sich beispielsweise bei Diabetes (Insulin), bei Schilddrüsen- und vielen anderen Erkrankungen.

Im Labor:
  • Messung nach dem Antigen-Antikörper-Prinzip (unter Zuhilfenahme radioaktiver
Mineralstoffe
Mineralstoffe sind lebensnotwendige chemische Stoffe, die der Körper jedoch nicht selbst produzieren kann.
Unterschieden werden sog. Mengenelemente (die in großen Mengen vorkommenden Elektrolyte) und Spurenelemente, die in geringsten Mengen vorkommen und aufgenommen werden.
Das Fehlen bestimmter Mineralstoffe kann den Stoffwechsel beeinträchtigen und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen (s. auch Eisenmangel/Blutarmut, Kalziummangel/Osteoporose).

Im Labor:
  • Nachweis als Elektrolyte oder Spurenelemente
Parasiten
Parasiten sind schädigende, auf Kosten anderer existierende Lebewesen. Neben Bakterien und Viren gehören im eigentlichen medizinischen Sinne hierzu insbesondere pflanzliche und tierische Parasiten.
Tierische Parasiten (Würmer, Gliederfüßler, also Insekten) benötigen für ihre Entwicklung oftmals mehrere ``Wirte'', wobei häufig stechende Insekten (insbesondere Mücken) oder Nagetiere (z.B. Ratten) für das Gedeihen der Jungformen dienen. Eine Schädigung dieser Wirte erfolgt dabei nicht.
Krankheitszeichen (z.B. Malaria, Dengue-Fieber) werden erst dann hervorgerufen, wenn die vollständig oder teilweise ausgereiften Parasiten in den Körper eines anderen Tieres oder Menschen gelangen (s. auch Infektionskrankheiten).
Achtung: Tropenreisende sollten sich vor Reiseantritt eingehend über mögliche Infektionsgefahren informieren!

Im Labor:
  • Nachweis von Würmern im Stuhl (mit bloßem Auge sichtbare abgestoßene Glieder; Wurmeier mikroskopisch sichtbar)
  • Tests zum Nachweis einer Reaktion des Immunsystems auf Wurmbefall
  • Unterschiedlicher Nachweis von Gliederfüßlern (z.B. Läuse, Wanzen) - häufig Beschwerdebild ausreichend
Pilze
Neben Tieren und Pflanzen bilden Pilze eine eigene Gruppe von Lebewesen.
Sie können je nach Art im bzw. am menschlichen Körper unterschiedliche Wirkungen und auch krankhafte Veränderungen hervorrufen (s. dazu: Pilzinfektionen).

Im Labor:
  • Nachweis von Pilzen bzw. Pilzarten über Gewebeproben (Haut- bzw. Nagelpartikel, Abstriche, Auswurf, Punktat) - sichtbar unter dem Mikroskop
Spurenelemente
Als Spurenelemente werden im Körper in winzigen Mengen vorkommende, zum Teil lebensnotwendige Mineralstoffe, wie z.B. Eisen, Zink, Kupfer und Selen, bezeichnet, die über das Trinkwasser bzw. die Nahrung aufgenommen werden.
Gesundheitliche Schädigungen können durch übermäßige Aufnahme wichtiger Spurenelemente oder durch vermehrte Aufnahme giftiger Mineralstoffe (Blei, Arsen, Quecksilber) verursacht werden.
Krankhafte Störungen können auch durch schwer erkennbare Mangelerscheinungen hervorgerufen werden.

Im Labor:
  • Bestimmung durch klinisch-chemische Farbreaktionen
Viren
Viren sind mikroskopisch kleine Lebensformen aus Protein und Nukleinsäure, die sich ausschließlich in lebenden Zellen oder anderen Organismen, wie Tieren, Pflanzen oder Bakterien vermehren können.
Zahlreiche Erkrankungen (z.B. Schnupfen, schwere Allgemeinerkrankungen wie Hepatitis, Infektionskrankheiten) werden durch Viren hervorgerufen, deren Existenz an meist spezifische ``Wirtszellen'' gebunden ist, die die Stoffwechselleistungen und die Vermehrung unterstützen. Außerhalb des befallenen Körpers ist das Virus ein 'ruhendes' Partikel.
Nachgewiesen wurde inzwischen, dass bestimmte Viren Wirtszellen entarten lassen und dadurch Krebserkrankungen verursachen.

Im Labor:
  • Nachweis der Antikörper, die durch das Vorhandensein von Viren gebildet werden
Vitamine
Vitamine sind lebensnotwendige Stoffe, die der Körper meist nicht selbst bilden kann und deshalb über die Nahrung aufnehmen muss.
Unterscheiden werden fettlösliche Vitamine (A, D, E, K), die im Körper gespeichert werden können, und wasserlösliche Vitamine (B und C), deren Speicherung meist nicht möglich ist.
Gesundheitliche Beschwerden können sowohl durch Vitamin-Mangel als auch durch eine Überdosierung fettlöslicher Vitamine verursacht werden (Dies ist in Europa jedoch äußerst selten).

Im Labor:
  • Nachweis über klinisch-chemische Methoden bzw. Antigen-Antikörper-Prinzip
Zuckerstoffwechsel
Die mit der Nahrung in großen Mengen aufgenommenen Kohlenhydrate werden im Innern des Dünndarms durch Enzyme zerlegt und anschließend in die Blutbahn transportiert.
Ein bestimmter, stets im Körper vorhandener Blutzuckerspiegel (ca. 100 ml/dl) sorgt für das Überleben der Zellen.
Das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Insulin sorgt dafür, dass nach der Nahrungsaufnahme der normale Spiegel schnell wieder erreicht wird, indem es dem Blutzucker den Weg in die Zellen ebnet. Fehlt dieses Hormon, kann der Blutzucker die Zellmembran nicht überwinden und damit nicht vom Blut in die Zellen gelangen. Der dadurch ansteigende Blutzucker kann zu schweren Krankheiten (s. Diabetes) führen.

Im Labor:
  • Bestimmung durch klinisch-chemische Farbreaktion oder mit Hilfe von Teststreifen
 
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